Unschärfe erzeugen

Faktor 3: Bewegung bei langer Verschlusszeit

Bewegungsunschärfe kennt jeder, der schon einmal in dunklen Räumen fotografiert hat: Gesichter verschwimmen, Personen spazieren als geisterhafte Schemen durchs Bild, Lichter gerinnen zu langen, leuchtenden Fäden. Normalerweise will man diese Art der Unschärfe verhindern, da sie das Motiv selbst unscharf macht oder das Bild „verwackelt“. Man kann sie jedoch auch kreativ nutzen, um den Eindruck von Schnelligkeit und Bewegung einzufangen, wie in diesen beiden Bildern:

Etwas Schärfe muss sein!

Damit solche Bilder gut wirken, muss es immer einen Teil im Bild geben, der scharf ist – entweder das Motiv oder der Hintergrund.

Im ersten Bild stand die Kamera still, so dass der Hintergrund scharf ist. Der Lastwagen, der sich während der Aufnahme ins Bild bewegte, wurde dadurch bewegungsunscharf.

Im zweiten Bild hingegen bewegte sich die Kamera mit dem Motiv: Sie wurde verschwenkt, um die Fahrt des Autos zu verfolgen – ein sogenanntes „Mitzieher“-Foto. Da die Kamera sich in dieselbe Richtung bewegte wie das Auto, erscheint das Auto scharf. Der Hintergrund hingegen, der sich nicht bewegte, ist unscharf.

Voraussetzung: Lange Verschlusszeit

Damit man überhaupt Bewegungsunschärfen im Bild sehen kann, benötigt man eine längere Belichtungszeit (auch „Verschlusszeit“ genannt). Das ist die Zeit, in der die Kamera den Verschluss öffnet und Licht auf den Sensor fallen lässt. Die Verschlusszeit wird in Bruchteilen von Sekunden angegeben, z.B. „1/100 Sekunde“ (lies: „Eine Hunderstel-Sekunde“). Je länger diese Zeit wird (1/80, 1/40, 1/20 Sekunde), desto empfindlicher ist die Kamera für Bewegungen im Bild. Das bedeutet jedoch auch, dass selbst kleinste Handverwacklungen der Kamera für Unschärfe sorgen können, weswegen man für Aufnahmen wie Bild 1 ein Stativ zuhilfe nehmen sollte – die Verschlusszeit war hier nur 1/20 Sekunde.

Verschlusszeit einstellen

Um die Verschlusszeit festzulegen, stellt man das Wahlrad der Kamera auf „S“ (für Englisch „Shutter speed“ = Verschlusszeit) oder „Tv“ (für Englisch „Time value“ = Zeitvorwahl).

Anschließend kann man im Menü oder auf dem Bildschirm die Verschlusszeit an der Kamera einstellen. Wie „lang“ oder „kurz“ sie tatsächlich sein muss, ist abhängig vom gewünschten Effekt und von der Geschwindigkeit des Motivs und muss ausprobiert werden. Als grobe Faustregel gilt jedoch, dass Bewegungsunschärfe erst ab einer Verschlusszeit von 1/80 Sekunde sichtbar wird.

Beliebig einstellbar ist die Verschlusszeit jedoch auch nicht: Wenn zu viel oder zu wenig Licht da ist, verweigert die Kamera entweder die Einstellung der Belichtungszeit oder liefert falsch belichtete Bilder. Dann helfen nur

  • bei zu viel Licht und zu kurzen Verschlusszeiten, z.B. 1/200 Sek.: ein Neutraldichte-Filter
  • bei zu wenig Licht und zu langen Verschlusszeiten, z.B. 1/5 Sek.: die Erhöhung des ISO-Werts in der Kamera

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